Dienstag, 24. Januar 2012
Fotos vom 22. Spieltag
Hier geht es zu allen Aufnahmen: FC Carl-Zeiss Jena - 1. FC Saarbrücken
Montag, 23. Januar 2012
Offener Brief an Dieter Ferner
OFFENER BRIEF
An
Dieter Ferner
Hamburg und Saarbrücken, den 22. Januar 2012
Lieber Dieter Ferner,
als Anhänger des 1. FC Saarbrücken ist man Verdruss gewohnt. Auf kurze Phasen der Erholung folgen meist lange Passagen des Verdrusses und der Agonie. Dreieinhalb Jahre lang hatte diese leidvolle Geschichte einen schönen Aussetzer. Und das soll nun bald vorbei sein?
Seit 1963 sind wir Fans des Vereins, und stehen daher im 50. Jahr unserer Anhängerschaft. Wir erinnern uns noch gut an Ihre trefflichen Torwartjahre und damit an eine erfreuliche Zeit. Als Trainer und Sportdirektor waren Sie, mit Verlaub, sogar noch besser. Eine ungewohnte Epoche der Klarheit, Bescheidenheit und des seriösen Auftritts begann, als Sie sich im Augenblick der größten Not bereitfanden, sich des blauschwarzen Scheinriesen anzunehmen.
Sie ließen saarländische Fußballer spielen, die schon nicht mehr damit rechneten, je für die erste Mannschaft auflaufen zu dürfen. Das war ungewohnt. Und wenn Sie andere anwarben, so erschienen nicht die üblichen Verdächtigen, Abgehalfterte von Weither, die kaum mehr als eine halbgare Vergangenheit vorzuweisen hatten, sondern Fußballer mit Zukunft. Das war noch ungewohnter. Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und freuten uns wie Schneekönige über die überraschenden Aufstiege, die nicht mit Geld allein bezahlt waren.
Es gab auf einmal überhaupt keinen Grund mehr, sich zu fürchten, wenn gute Spieler den Verein verließen. Mann, Zimmermann und Zeitz wollten weg, eine ganze hoch begabte Mittelachse, und jeder andere hätte den Untergang des Abendlandes beschworen. Sie nicht. Da draußen fanden sich genug Unerkannte, die für vernünftiges Geld nach Saarbrücken kamen, darunter grandiose Leute wie Marius Laux, der in Offenbach kaum gut genug zu sein schien, um auf der Bank zu sitzen, oder Ziemer, dem es in Wehen auch nicht besser ging.
Natürlich merkten wir, dass der unbedingte Wille zum Aufstieg nachließ, nachdem Sie aufgehört hatten, Trainer zu sein. Aber eine begabte und sympathische Mannschaft haben wir immer noch, wenn auch die Zahl der Gnadenbrotfußballer wieder zunahm, während die einheimischen Talente seltener wurden, ohne ganz auszusterben.
Wie dem auch sei: eine solche Reihe ungetrübter Jahre hat es ewig nicht gegeben. Wir, die treuen Fans des 1. FC Saarbrücken, wissen sehr wohl, wem wir die köstlichen Freuden des Aufschwungs verdanken, und das wird uns unvergesslich sein. Denn wir wurden nicht länger ausgelacht für unsere Zuneigung zu einer notorisch fehl gesteuerten Skandalnudel in der Hand provinzieller Profilneurotiker, denen nicht nur die Ahnung von Fußball abgeht, sondern auch die Liebe zum Sport.
Umso bitterer, dass Sie Ihre Arbeit nun nicht zu Ende führen, bis der Verein mindestens in der zweiten Liga angekommen ist, eine intakte Mannschaft besitzt und ein zeitgemäßes Stadion: für Sie ist das bitter, weil Ihr Werk nicht zu Ende geführt ist, und für uns sowieso, die wir unser Herzblut geben und unsere ohnmächtige Leidenschaft.
Sicher ist: Sie werden eine Menge Fans zurück lassen, auch wenn Ihre Rückkehr ans Ruder des Vereins ebenso unwahrscheinlich ist, wie die ins Tor. Aber wie wäre es denn als Präsident? So viel zu erkennen ist, wird Kompetenz dort dringend gebraucht.
In jedem Fall sind wir um eine Illusion ärmer, eine zarte Hoffnung, einen unverhofften Traum. Ernüchtert wünschen wir den verbliebenen Verantwortlichen eine gute Hand.
Aber wir zweifeln daran, denn es sieht beim besten Willen nicht danach aus.
Ralph Schwingel, Filmproduzent, Hamburg
Oliver Weber Hartmann, Regierungsangestellter, Saarbrücken
Mittwoch, 18. Januar 2012
Kommentar: Zwei Halbe sind kein Ferner
Luginger bleibt, Ferner geht. Dürfte bei vielen FCS-Fans erste Meldung zu einem erleichterten Durchschnaufen verholfen haben, so lässt alles, was danach kommt, nur Verzweiflung zurück. Der Mann, der wie kein Zweiter am Wiederaufstieg, und das ist nicht nur sportlich gemeint, beteiligt war, verlässt den Verein nach vier Jahren erneut. In der offiziellen Stellungnahme werden „persönliche Gründe“ für Ferners Entscheidung angeführt, laut Saarbrücker Zeitung stand der Abgang schon vor der Mitgliederversammlung im November fest.
Fragen über Fragen bleiben, die Spekulation über mögliche Konflikte zwischen Ferner und Vereinsfunktionären, die der Grund für den Abgang sein sollen. Die entscheidende Frage ist, ob sich der Verein wirklich in eine gute und zukunftsfähige Richtung entwickelt, wenn ein konstanter, tüchtiger und vernünftiger Arbeiter wie Ferner aus persönlichen Gründen seinen Vertrag nicht verlängern will. Der scheidende Sportdirektor selbst schweigt zu allem und nutzt seine Entscheidung nicht als Bühne , um gegen andere öffentlich auszuteilen. Auch das zeichnet den Mensch Ferner aus.
Ein Armutszeugnis dagegen die Reaktion der Vereinsspitze – und da muss man sich nicht einmal auf Spekulationen und Gerüchte einlassen. Laut SZ sollen nämlich Vizepräsident Harald Ebertz und Trainer Luginger sich künftig die Aufgaben des Sportdirektors teilen. Das ist ein Schritt zurück, wenn nicht sogar eine nachträgliche Abwertung der Arbeit Ferners. Lugingers Arbeitsplatz ist auf dem Trainingsplatz und am Seitenrand, eine teilweise Übernahme von Ferners Aufgaben kostet weitere Ressourcen. Ebertz ist als Vizepräsident zwar schon früher zu Oberligazeiten auch mit sportlichen Kompetenzen betraut wurden, dürfte aber in der heißen Phase eines Stadionneubaus und anderer Weichenstellungen im Verein nur schwierig die Rolle eines Sportdirektors ausüben können. Zwei halbe Sportdirektoren machen noch keinen Dieter Ferner.
Montag, 2. Januar 2012
FCS-Weihnacht Nr. 10: Verhaltenskodex für Polizisten und Ordner
Sonntag, 1. Januar 2012
FCS-Weihnacht Nr. 9: Heimspiel auswärts!
von Daniel Engelsmann
Samstags, 13:40 Uhr, Fanradio. So sieht ein gewöhnlicher Samstag aus. Gespannt lausche ich den Stimmen unserer Fanradio-Kommentatoren...
Ich bin Daniel und ein „FCS-Exilant“, Fanklub für FCS Fans, die außerhalb des Saarlands leben und längst bekannt durchs Fanradio und unsere wunderschöne Zaunfahne.
Besuche im Ludwigspark sind finanziell und organisatorisch bedingt eher seltener, aber ab und zu gönne ich mir eine Tour ins schönste Stadion der Republik. Natürlich mit der Bimmelbahn...
27.08.10, Neukirchen-Vluyn
18:42 h: Ich packe meinen Rucksack und nehme mit: Fahrplan, Fahrkarte, Fotokamera, 1,5l Wasser, 1 Dose Cola, 1 Müllermilch, 1 Tüte Multivitaminbonbons, 6 abgepackte Waffeln, 1 Packung Schokoladen Cookies, Butterbrote, Salzstangen, 11 Freunde Zeitschrift, 3 blau-schwarze Schals, Block und Stift ( zur Dokumentation), Brillenputztuch (falls es regnet).
Die Abenteuerfahrt Ludwigspark musste ich dieses mal aber nicht alleine antreten. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie war es mir gelungen zwei Freunde, Freerk und Moritz, zu überreden mitzufahren. Normalerweise halten mich ja immer alle für bescheuert, wie man aus dem Ruhrpott nach Frankreich Saarbrücken fahren kann für ein Oberligaspiel Regionalligaspiel Drittligaspiel. Vor allem 2/3 des Tages Zug fahren.
Das bemerkenswerteste, was ich den beiden hoch anrechne ist aber, dass sie nichts, also mal gar nichts mit Fußball am Kopf haben. „Man kann ja mal Eindrücke sammeln von der Fußballszene.“, „Ach ja, warum nicht’ ne Reise durch die westliche Bundesrepublik. Also hab ich nicht länger nachgefragt—los ging’s!
29.9.10. 6.Spieltag, 3.Liga: 1.FC Saarbrücken- VfB Stuttgart II
04:25h: „Steh auf, wenn Du Saarbrücker bist“. Der Wecker klingelt. Raus aus den Federn! Die Vögel zwitschern auch schon. Noch 9 ½ Stunden bis zum Anpfiff.
05:05h: Meine Kollegen finden sich vor meiner Haustür ein.
05:10h: Das Vereinslied summend marschieren wir zur Bushaltestelle (eigentlich summe nur ich ). Warum schlafen denn noch alle? Der FC spielt doch heute. Komisch.
05:25h: Da kommt auch schon der Bus. 1 Minute Verspätung.
05:43h: Wir halten an der Ampel am „Kö“, dem Herzen von Moers. „Sieh mal, der Kiosk hat auch schon auf.“ Aus den Diskos und Kneipen kommen die letzen Feierbiester der letzten Nacht getaumelt.
05:55h: Vor den Toren Duisburgs, auf der Rheinbrücke. Die „Wachheitsschockstarre“ verwandelt sich in „Müdigkeitsflashs“ und aus dieser Benebelung beginnt Freerk über seltsame Fragen zu philosophieren: „Braucht man für Pfefferspray einen Waffenschein?“ „Und was hat Pflaumenkuchen damit zu tun?“ Ich lasse diese Fragen mal so im Raum stehen.
06:19h: Nach einer ersten tapferen Stunde erreichen wir Duisburg Hauptbahnhof. Mit dem Auto hätte man 15min gebraucht...Nachts Morgens fahren auch noch keine Schnellbusse.
06:42h: Weiter geht’s. Mit dem Regionalexpress nach Koblenz!
06:43h: Fahrkartenkontrolle. Es sollte die einzige auf der Hinfahrt werden.
06:50h: Ein KFC Uerdingen Fan steigt dazu und studiert meine FCS Jacke. Krefelds goldene Zeiten sind auch schon was länger her... Wir frühstücken mit Käsebrötchen aus der Bahnhofsbäckerei und Müllermilch...
08:42h: Ankunft in Koblenz. In 11 Minuten müssen wir weiter in den Zug Richtung Mainz bis nach Bingen.
09:30h: Wo ist mein Knoppers?
09:43h: Endlich mal wieder in Bingen...:D. Hier gibt es....nichts zu sehen. Allez, weiter! Auf Gleis 203 steht schon der Zug nach Bad Kreuznach bereit.
Auf einer privatisierten Strecke ohne jegliche Beinfreiheit sitzen wir zwischen wanderwilligen Rentnerpaaren. Wo sind all die lautstark brüllenden Fußballfans?
10:00h: Smalltalk mit einem Koblenzer Fan. Ein netter Rentner, der uns sogar Glück fürs Spiel wünscht. Noch vier Stunden bis zum Spiel. Leichte Nervosität; die Frisur sitz schon lange nicht mehr.
10:15h: „Ausstieg in Fahrtrichtung rechts. Für die Weiterfahrt steht auf Gleis 3 die Regionalbahn 3304 nach Saarbrücken bereit.“
Die saarländische Landeshauptstadt zum greifen nah, dementsprechend die Stimmung im Zug...Saarbrücker? Hallo?
Die Familie neben uns fährt in den Neunkirchener Zoo. Auch schön.
11:00h: In der Rubrik „Stammplatz“ der 11 Freunde wird eine junge Saarbrückerin vorgestellt. Wir sehen sie nach dem Spiel in der Nähe des Saarbrücker Bahnhofs. Schöne Grüße an dieser Stelle und Daumen nach oben!
11:26h: Nachdem ich zuletzt selbst immer unsicherer auf die Frage: „Sind wir schon im Saarland?“ antworten konnte, wusste ich Moritz und Freerk nun endlich zu beruhigen: „Ihr könnt die Augen wieder aufmachen, Rheinland-Pfalz ist hinter uns.“
Wir passieren Türkismühle.
12:00h: Wir führen Telefonate in die Heimat, Freunde, die gerade frühstücken, lachen uns aus. Aber wir können mitlachen.
12:11h: Saarbrücken.
12:15h: Nachdem wir endlich angekommen sind, werden erst mal die Toiletten gestürmt. Während der ganzen Zugfahrt hab ich von Schwenker und Lyoner geschwärmt...Jetzt wird’s langsam Zeit...
13:00h: 45- minütiges „Schnell-Sight-Seeing“ ( St. Johanner Markt, Alte Brücke, Schloss, Ludwigskirche, Saar ) für die Kulturnote muss genügen. „Das ist also Saarbrücken.“, Antwort meines kleinen Reisegrüppchens.
Nun aber auf in den Park. Hab ich denen schon gesagt, dass es bergauf geht? Wir nicht sitzen werden? Es keine Überdachung gibt? Keine Pommes? Hab ich beim Vergleich mit der Veltins- Arena zu wenig Abstriche gemacht?
Also, ich liebe den Ludwigspark, so wie er ist!
13:45h: Ich halte Ausschau nach weiteren Exilanten. Da treffe ich einen beim Aufhängen der Zaunfahne. Blau-schwarze Grüße!
14:00h: Anstoß.
14.45h: Halbzeit. Hunger. Durst. Stimme rau, Himmel blau.
15:40h: Verschwitzt. In Saarbrücken lacht die Sonne. In NRW eher trüb. Alles richtig gemacht!
15:42h: Elfmeter: Zeitz. Tooooooooooor! Na, endlich. Das war wichtig für die Stimmung auf der Rückfahrt.
15:48h: Abpfiff.
17:03h: Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die macht Spaß. Es geht zurück. Und wir bringen drei Punkte mit.
19:38h: Müde. Die Stimmung geht langsam in den Keller. Ich erinnere Moritz und Freerk immer wieder an den Sieg, aber ich glaube, die wollen nach Hause. Ich ja auch...
In Rheinland-Pfalz hat man kaum Handyempfang, zumindest an diesem Abend, in diesem Zug. Trotzdem sammele ich nach und nach die Bundesligaergebnisse des Nachmittags zusammen.
Umstieg in Koblenz und Stärkung in der örtlichen Fast-Food-Niederlassung.
21:31h: Zwischenhalt in Köln. Heute haben wir den Dom bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang gesehen. Eine der Weltstädte auf unserer Reise. Die große Leuchtreklame von 4711-Echt Kölsch Wasser, die vielen Menschen am Bahnhof, das Partyvolk neben den Geschäftsleuten in der Bahn und die Schönheit des Rheins stimmen mich nachdenklich. Ein Gefühl zwischen Freiheit und Alltag.
Vor uns feiern ein Dutzend HSV-Fans ihren Sieg.
22.:18h: Duisburg Hauptbahnhof. Endlich. (Fast) zu Hause. Vorläufiges Fazit unserer Reise: Wir hatten 106 Zwischenhalte.
Nachhaltiges Fazit: Immer wieder gerne. Aber mit dem ICE wäre auch mal schön...
22:45h: Entspannung auf dem Sofa. Es läuft Schlag den Raab. Ist das Aktuelle Sportstudio schon aus?
An dieser Stelle möchte ich meine beiden tapferen Mitfahrer Moritz und Freerk herzlich grüßen, sowie alle anderen Exilanten dieser Welt. Und die Rheinland-Pfälzer und ihr schönes Bundesland ( wirklich!). Natürlich auch das Team vom Fanradio. Ich wüsste nicht, was ich ohne euch machen würde.
