Freitag, 30. Juli 2010

Appetitmacher #3


Wie bei allen vorangegangenen Ausgaben auch, möchten wir Euch eine dritte Leseprobe zum siebten Leuchtturm - der am morgigen Samstag erscheint (Genaueres am Ende des Beitrags) - nicht vorenthalten. Diesmal hat sich unser Redakteur Christian kritische Gedanken zu der Mitgliederversammlung gemacht, die beim FCS natürlich schon immer ein streitwürdiges Thema war.

Kann sich noch jemand daran erinnern, wann eigentlich die letzte Mitgliederversammlung (MV) des 1. FCS stattgefunden hat? Lange ist es her, nämlich mehr als ein Jahr und vier Monate. Am 30. März 2009 lud der FCS das letzte Mal seine Mitglieder ein, um ihnen die Planung für den Aufstieg aus der Oberliga vorzustellen, wie sich das Gehaltsgefüge der Spieler zusammensetzt und mit welchem Etat für die Saison 2009/2010 gerechnet werden kann. Weiterhin wurde leise erwähnt, dass nach langjährigen Pannen bei der Einberufung der MV nun endlich auf Kontinuität gebaut wird und satzungsgemäß „regelmäßig“ eine MV stattfinden soll.

Da ich die Satzung des 1. FCS nun lesen wollte, um mich über den genauen Wortlaut zu vergewissern, ist mir gleich das erste Manko aufgefallen: Sie ist nirgends zu finden! Ich habe jede Rubrik auf der Vereinsseite durchforstet. Entweder war sie zu versteckt oder es gibt sie wirklich nicht öffentlich. Dank einem Artikel auf sr-online.de vom 09.05.2007 bin ich auf folgende Zeile gestoßen:

„In der Satzung des 1. FC Saarbrücken ist die Rede davon, dass der Verein mindestens einmal im Jahr eine ordentliche Mitgliederversammlung einberufen muss (§ 11.1).“

Bezieht man sich auf die Vereinssatzung des 1. FC Saarbrücken, so muss bis spätestens Dezember 2010 eine weitere MV einberufen werden. Notwendig wird sie aus zweierlei Hinsicht: Die letzte MV gab es 2009 und laut Vereinssatzung § 11.1 muss spätestens sechs Monate nach Schluss des Geschäftsjahres eine Mitgliederversammlung einberufen werden. Da am 30.06.2010 das Geschäftsjahr beendet wurde, bleibt dem FCS dazu noch bis zum 30.12.2010 Zeit.


Der Leuchtturm wird zu dem üblichen Preis von einem Euro an allen Eingängen des Ludwigsparks (ausgeschlossen ist der C-Block) erhältlich sein. Sollten die vorhandenen Exemplare nicht bereits vergriffen sein, kann das Fanzine bis kurz vor dem Anstoß erworben werden.

Donnerstag, 29. Juli 2010

AUFRUF: Verkäufer gesucht!

Liebe Leuchtturm-Leser und Freunde,

die Leuchtturm-Redaktion sucht dringend noch zuverlässige Verkäufer um Heft 7 am Samstag rund um den Ludwigspark zu verkaufen. Zur Belohnung gibts ein Frei-Heft und eine original F-Block-Frikadelle!

Wer uns helfen möchte, meldet sich bitte unter redaktion@fcs-leuchtturm.de. Wegen Treffpunkt, Organisation, Verteilung, etc. melden wir uns dann bei euch!

Wir hoffen auf eure Unterstützung!
Euer Fanzine Leuchtturm

Sonntag, 25. Juli 2010

Leseprobe: Kult-Fangesänge

Wie im Laufe der Woche bekannt wurde, geht der Leuchtturm zur (richtigen) Zeitung und wird somit ein Stück weit erwachsener - oder auch nicht. Unsere Themen bleiben nämlich weiter breit gefächert und sollen nicht nur das Sportliche, sondern auch das "Drumherum" des Fußballs abdecken. In der bald erscheinenden Ausgabe Nr. 8 hat Carsten Pilger im dritten Teil der Reihe "FCS-Kult" sich mit dem Phänomen der Fangesänge befasst.

Fangesänge eroberten seit etwa den 1970er Jahren die deutschen Stadien. Dabei gab es sie in anderen Ländern schon weit vorher. Als bei der WM 1958 in Schweden enthusiastische, schwedische Zuschauer ihre Landesflagge schwenkten und dabei "Heja, Heja Sverige" sangen, während auf dem Platz ein besseres schwedisches Team die deutsche Nationalelf besiegte, wurde das als Frevelei ohnesgleichen wahrgenommen. Deutsche Journalisten, vor allem noch nationalsozialistisch gesinnte, ließen sich in Kommentaren über das "mittelmäßigen Volk, dem man das Schnapstrinken verbieten muss, weil es sonst zu einem Volk von maßlosen Säufern würde" aus, eine antischwedische Welle folgte. Lediglich der Kicker erkannte bereits damals, wie kleinkariert es ist, wenn man sportliches Versagen auf Anfeuerungen der Zuschauer zurückführt.

Eine Ironie der Geschichte ist vielleicht, dass einer der ersten richtigen Kult-Gesänge beim 1. FC Saarbrücken "Heja, Heja FCS!" lautete. Nach dieser Anfeuerung wurde sogar eine Vereinschronik in den 70ern benannt. Noch heute gibt es vereinzelte Versuche, ein gepflegtes "Heja, Heja FCS!" anzustimmen, aber meist bleiben diese ohne nachhaltige Wirkung.

Wie dieser Gesang seinen Ursprung bei einer anderen Mannschaft hat, so wurde in den Anfangsjahren der Fangesänge auch mehr als nur einmal kopiert. Noch heute gibt es einen Grundstock an Melodien und Satzbausteinen, bei denen einfach nur "Saarbrücken" oder "FCS" eingesetzt wird. Dazu gehören der "FC-Walzer", "Auf geht's Saarbrücken, schieß ein Tor!", "Oh FC, wir sind da...", "Wir woll'n Saarbrücken siegen seh'n!" oder das populäre "Steht auf, wenn Ihr Saarbrücker seid!". Diese Gesänge werden zwar oft gesungen, gibt es im Grunde aber fast überall so zu hören. Selbiges gilt für das "Hundelied", was sich in Saarbrücken einer Hass-Liebe erfreut und eher von Kutten-Fans, als von Ultras mitgesungen wird.

Unter diesen einheitlichen Gesängen gibt es aber auch einige, die durchaus den Witz besitzen, den vor allem der englische Fangesang kennzeichnet. Dazu gehören "Wir schlafen nicht auf Betten! Wir schlafen nicht auf Stroh! Wir schlafen auf Paletten, das ist im Saarland so!" oder "Kniet nieder, Ihr Bauern, Saarbrücken ist zu Gast!". Letzteres ist unfreiwillig komisch, da es sowohl in der Oberliga in Bad Breisig, als auch in der 2. Liga in Essen oder Duisburg Anwendung fand. Dafür erfreuen sich auch diese Gesänge wechselhafter Beliebtheit.


Mehr zu den Fangesängen gibt es im Leuchtturm #7!

Donnerstag, 22. Juli 2010

Leuchtturm erhält Kolumne

Ein gut gehütetes Geheimnis der Sommerpause wollen wir an dieser Stelle lüften: Die Redaktion unseres Fanmagazins erhält ab der Saison 2010/11 eine eigene, wöchentliche Kolumne in der Saarbrücker Zeitung (SZ). Diese wird im Sportteil der Zeitung erscheinen.

Mit dieser Kolumne wollen wir einerseits im typischen Leuchtturm-Stil das Geschehen rund um den FCS, die Fanszene und das Sportliche kommentieren - mit Witz, kritischem Blick, aber auch Vereinsliebe. Außerdem wurde uns seitens der SZ ausdrücklich das Recht eingeräumt, die Berichterstattung der Zeitung kritisch zu würdigen. Damit sind wir also auch eine Art Vertretung für alle FCS-Fans innerhalb der SZ.

Unberührt von dieser Kolumne bleibt das Heft selbst, das weiterhin im normalen Zyklus erscheinen wird - weiterhin werbefrei! Die nächste Ausgabe ist derzeit für das Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig am 31. Juli geplant.

Unsere Kolumnen in der SZ starten voraussichtlich am kommenden Mittwoch. Wir freuen uns über Anregungen, Rückmeldungen, Kritik und Ideen!

Hier geht es zum Artikel in der SZ: Link

Samstag, 17. Juli 2010

Leseprobe: Vorrunde 2010/11


Der Leuchtturm meldet sich nach einer nicht ganz so langen Sommerpause mit neuem Lesestoff zurück! Zum Auftakt unserer altbekannter Leseproben für Heft Nr. 7 gibt es einen satirischen Vorrundenausblick von Jochen, der natürlich nicht ganz zu ernst zu nehmen ist. Es sei denn, er trifft ein:

Der Leuchtturm hat die mysthische Leuchtturm-Glühbirne zur neuen Saison befragt. Und hier ist sie auch schon, die ultimative, garantiert genau so zutreffende, unzweifelhaft geniale Prognose zur FCS- Hinrunde der Saison 2010/2011:


1.Spieltag

Kickers Offenbach - 1. FC Saarbrücken

Gegen den Vorjahressiebten entwickelt sich das live in SR und HR übertragene Spiel zu einer anfänglich hart umkämpften Partie, die die Kickers schließlich etwas zu hoch mit 3-0 gewinnen. In Erinnerung an die letztjährige 0-6 Anfangspleite und den weiteren Saisonverlauf, reden in Saarbrücken die ersten Fans bereits vom zweiten Durchmarsch.


2.Spieltag

1.FC Saarbrücken - Eintracht Braunschweig

7.500 Zuschauer wollen das Duell der beiden Traditionsmannschaften sehen, das mit 20 minütiger Verspätung angepfiffen wird, weil einige ältere Herrschaften vom Bier-Sponsoren- und dem damit einhergehenden Tribünennamenwechsel noch nichts mitbekommen haben. Der FCS erkämpft durch ein Tor von Markus Fuchs ein leistungsgerechtes 1-1.


3.Spieltag

Carl Zeiss Jena - 1. FC Saarbrücken

2-0 im Ernst-Abbe-Sportfeld für den FCS! Den ersten Sieg der noch jungen Saison fahren die Luginger Schützlinge vor 150 mitgereisten Fans nach Toren von Pisano und Weißmann ein. Grgic sichert sich durch seine Vorlage zum 1-0 den ersten Scorerpunkt.


4.Spieltag

1.FC Saarbrücken – 1. FC Heidenheim

Am Rande des vierten Spieltages kommt es erneut zu Stadiondiskussionen. Die Universität des Saarlandes kündigt für das kommende Wintersemester ein literaturwissenschaftliches Seminar mit dem Titel: „Postmoderne Märchen: Der Saarbrücker Stadionbau“ an. Zur Pflichtlektüre gehören transkribierte Reden der letzten FCS-Mitgliederversammlungen.

Das Spiel endet mit einem 0-2. Bitter.


5.Spieltag

Dynamo Dresden – 1. FC Saarbrücken

Fußballdeutschland wird von einem erneuten Wettskandal erschüttert. Am Rande des 5. Spieltages stellt sich heraus, dass Psycho-Oktopus Paul mehrfach im Berliner „Café King“ gesichtet wurde und hohe Beträge auf den Ausgang der deutschen WM-Begegnungen gesetzt hat. Kurz darauf wird ein von dem achtarmigen Wesen perfide betriebenes Betrugsnetzwerk entdeckt. Der FCS gewinnt gegen notorisch heimschwache Dresdner mit 3-0. Hinschberger sagt, die Mannschaft habe Dresden in Schutt und Asche gelegt. Später entschuldigt er sich ausdrücklich für diese Äußerung.


6.Spieltag

1.FC Saarbrücken – VFB Stuttgart II

Die erste Begegnung gegen eine zweite Mannschaft in der neuen Saison gerät zur Nebensache. Der FCK gewinnt sein Heimspiel sensationell gegen WM-müde Bayern Spieler, die regionalen Medien überbieten sich mit Spielberichten und Hintergrundinfos. Auch auf ludwigspark.de wird die weiterhin andauernde Bierdiskussion zu Gunsten einer FCK-Diskussion aufgegeben. Das FCS-Ergebnis ? Interessiert an diesem Spieltag eh Niemanden.


7. Spieltag

1. FC Saarbrücken – SV Sandhausen

2-2 nach zweimaligem Rückstand. Ein erster Trend zeichnet sich ab, und der zeigt nicht unbedingt nach ganz oben . Im Stadion ist das Bier schon zur Halbzeit leer. Notorische Dauernörgler fordern Karlsberg zurück. Die Saarbrücker Brauerei „Bruch“ springt blitzschnell ein und ab der 75. Minute fließt der Gerstensaft wieder. Gerüchten zu Folge soll Bruch die Namensrechte am Ludwigspark erworben haben. Glaubt man den die Runde machenden Witzen, spielt der FCS zukünftig in der „Bruch-Bude“.



Die komplette Voraussage gibt es in Heft 7!

Freitag, 16. Juli 2010

Aktuelles Leuchtturm-Gesicht

Zur besseren Orientierung am Verkaufstag soll unseren Leserinnen und Lesern das neue Leuchtturm-Gesicht, heißt also das Cover der aktuellen Ausgabe, nicht vorenthalten sein. Ein Dank geht erneut an unsere Zeichnerin Uta S., die unsere Ideen wieder einmal sehr zufriedenstellend umgesetzt hat!

Montag, 12. Juli 2010

Leuchtturm #7 im Anflug!

Nach dem Fußball ist vor dem Fußball: Nachdem die 19. Fußball-Weltmeisterschaft gestern mit Spanien einen neuen Fußballweltmeister gefunden und de Jong seine Liebe zum Kampfsport entdeckt hat, dauert es bereits nur noch elf Tage, bis wir wieder unsere Mannen in blau-schwarz (hoffentlich) bejubeln dürfen.

Natürlich haben wir neben der intensiven WM-Beobachtung auch an einem neuen Meilenstein der Fußballgeschichte gearbeitet. Denn Saisonbeginn = Leuchtturm Nummer 7!
So wird unsere achte Publikation (die Wurst-Sonderausgabe ist hier einberechnet)am zweiten Spieltag, den 31.07.2010 gegen Eintracht Braunschweig erscheinen.

Da unser erstes Spiel bekanntlich ein Auswärtsspiel in Offenbach ist, haben wir uns den Luxus erlaubt, den Redaktionsschluss auf den 14. Juli 2010 zu verlegen. Es besteht also weiterhin die Möglichkeit, bis zu diesem Datum Kritik, Verbesserungsvorschläge, Leserbriefe oder sogar selbst verfasste Artikel an uns zu richten. Das ist wie immer über unsere Mail-Adresse (redaktion@fcs-leuchtturm.de) möglich.

Alles Weitere zum Verkauf wird selbstverständlich hier zum Besten gegeben!

Donnerstag, 8. Juli 2010

Leuchtturm-WM-Rundschau #8

oder “Ohne Torres habt Ihr jede Chance!”

Aus, vorbei. Die Weltmeisterschaft nicht, aber die deutschen Ambitionen auf den vierten Titel. Wie im EM-Finale 2008 lautete der Gegner Spanien und das Endergebnis 0:1, wieder waren es Sekunden, die das Spiel entschieden haben. Persönlich, um mal diesem Beitrag einiges vorweg zu nehmen, denke ich, dass zwei Ereignisse für das Endergebnis ausschlaggebend waren:

1. Die Gelbsperre von Thomas Müller
2. Der Wechsel von Torres zu Pedro bei einer taktischen Umstellung im spanischen Team

Das war’s schon. Ich halte es für maßlos übertrieben, es Jogi Löw, dessen größter Fan ich sicher nicht bin, anzukreiden, die Spielweise der Deutschen sei im Gegensatz zu den beiden vorherigen Partien zu defensiv, zu abwartend und nicht bestimmend genug gewesen. All diese Hobby-Bundestrainer müssen erst die Frage beantworten: Mit welcher Taktik soll eine Mannschaft gegen Spanien denn anspielen? Hätte Deutschland ähnlich wie gegen England mit einem frühen Sturmlauf begonnen, hätte die Anzeigetafel schon nach 30 Minuten auf 2:0 für Spanien gestanden.

Das Team von Vincent del Bosque, wohl nicht mehr und nicht weniger als die aktuell beste Mannschaft der Welt, spielt einen eigentümlichen Fußball, den Jogi Löw nach dem verlorenen EM-Finale sofort versuchte, in die deutsche Elf zu übernehmen. Kein Wunder, wenn die Grundformation bei beiden auf dem Papier ein 4-5-1 ist. Entscheidend im spanischen Fußball 2010, so denke ich, ist das “Zermürben” des Gegners. Keine andere Topmannschaft hat während aller Spiele so oft erst in der zweiten Halbzeit das Spiel gewonnen. Spanien verrennt sich nicht 90 Minuten in den Gegenspielern, Spanien hält den Ball, baut vor dem gegnerischen Strafraum fast schon ein Netz auf und wartet so lange, bis sich die Lücke zum tödlichen Pass ergibt.

Die deutsche Mannschaft hat diese Taktik gestern ausgehebelt und diese Räume meist versperrt. So waren die Spanier gezwungen, es mit harmlosen Schüssen aus der zweiten Reihe zu probieren. Deutschland musste eben, da sie den Spaniern nacheifern, der spanischen Spielweise beikommen, indem sie alles neutralisierten.

Entschieden werden solche Spiele dann meist über Standardsituationen. Ein Eckball, ein Kopfball wie ein Schuss – Tor. Ironischerweise macht der defensivste Spanier neben dem Torhüter, Carles Puyol, den spanischen Finaleinzug klar. Schon vorher versuchte es Deutschland mit offensiveren Akzenten, aber ab da war es nun geboten, alles nach vorne zu werfen, was fast zum 2:0 durch Pedro geführt hätte, der nur zu eigensinnig war, um Fernando Torres sein erstes WM-Tor zu schenken. Deutschland bringt mit Mario Gomez das rote Tuch Fußballdeutschlands und den (einzigen) Anlass für wildes Rumgekloppe auf Jogi Löw.

Um zu meinen beiden Ausgangsthesen zurückzukommen: Müller ist im Gegensatz zu Trochowski der bessere Konzept-Fußballer und auch bessere Konter-Stürmer in Löws Truppe und hat gestern definitiv gefehlt. Richtig schade, dass Müller mit zwei eher fragwürdigen Gelben Karten pausieren musste.

Die Umstellung im spanischen Team, weg von Torres hin zur Barcelona-Entdeckung Pedro, war wohl der kluge Schachzug, der das Spiel gewonnen hat. Torres wirkte in den vergangenen Spielen als Hemmnis im spanischen Spiel, fast als Klotz am Bein. Mit Villa als nomineller Spitze und Pedro, der auf dem ganzen Feld präsent war, setzte del Bosque die deutsche Mannschaft so unter Druck, dass die Entlastungsangriffe fast komplett unterbunden wurden. Was bleibt? Aus diesem Spiel hätte letztlich genauso gut Deutschland als Sieger hervorgehen können, da das Spiel über die besseren Standards entschieden wurde. Trotzdem hat mit Spanien das bessere Team auch verdient gewonnen.

Seit 2002 war Deutschland immer unter den letzten Vier einer WM, am nächsten war man dem Titel faktisch mit dem schlechtesten Team der letzten Jahre, das von Völler betreut wurde. Das Gerede von einer “tollen WM”, einer “guten Leistung” wird die nächsten Tage die Presse rauf und runterrattern, es wird nerven und absolut nichts besser machen, zu groß ist die Chance, die verspielt wurde. Zum Glück hat der FCS es letzte Saison richtig gemacht und aus einer “überragenden, überraschenden Saison” auch was Zählbares gemacht.

Dienstag, 6. Juli 2010

Juli-Umfrage: Vuvuzelas

Nachdem wir uns den vergangenen Monat mit dem neuen Trainer Jürgen Luginger beschäftigt haben, steht der Juli im Zeichen der "Vuvuzela", der Neu-Entdeckung der WM 2010 neben Thomas Müller.

Die Vuvuzela, die unglaublich viele Debatten und schlechte Wortspiele mit dem Namen "Uwe Seeler" (Uns-Uwe, HSV, Hinterkopf-Tor) produzierte, ist ein ca. 60 cm langes Plastik-Blasinstrument. Obwohl meist in China hergestellt, besitzt die Vuvuzela in Südafrika ungemeine Popularität und ist bei fast jedem Spiel zu finden. Alles zum Leidwesen europäischer Ohren, die sich schon nach dem Eröffnungsspiel Südafrika - Mexiko über einen surrenden Hintergrundton im Fernsehen beschwerten - klar, die Vuvuzela!
Fans, Fernsehanstalten und Verbände forderten die FIFA auf, ein Verbot des Instruments durchzusetzen - ohne Erfolg. Manch ein Spieler nahm dies zum Anlass, seine schlechte sportliche Leistung damit zu entschuldigen, dass ihn "diese Getröte" aus der Fassung brachte. Findige Leute erfanden dagegen für das Internet gar einen "Vuvuzela-Filter" für Fußball-Genuß ohne Hörschäden.

Vor Start der Saison 2010/11 schwappt die Vuvuzela-Welle auch nach Deutschland über. Auf Volksfesten (auch "Public-Viewing" genannt) tröten immer öfters auch deutsche Fans ins Plastik-Horn. Als erster Verein hat Borussia Dortmund das Stadionverbot gegen die Vuvuzela verhängt, auch in Saarbrücken wurde dies schon diskutiert (siehe dazu diesen Bericht bei SR-online).

Wir fragen nun unsere Leser:

Soll die Vuvuzela aus dem Ludwigspark verbannt werden?

Die Umfrage endet am 3. August 2010.

Samstag, 3. Juli 2010

Leuchtturm-WM-Rundschau #7

oder Die "Primadonna" entzaubert
Für das Protokoll beginne ich mit einem Kommentar eines Users zum letzten Beitrag der WM-Rundschau. Kinkladze schrieb: "Diego MARADONA:Den Namen des größten Fussballers aller Zeiten sollte man wenigstens richtig schreiben können!" Ein Rüffel für meine falsche Schreibweise, die ich nachträglich korrigierte. Maradona schreibt sich "Maradona" und nicht etwa "Maradonna". Vielleicht dachte ich zu sehr an eine kleine "Primadonna", die bekanntlich mit zwei "n" geschrieben wird. Und nicht anders hat sicher der angeblich größte Fußballer aller Zeiten vor dem Duell mit Deutschland aufgeführt.

"Für Deutschland ist die WM zu Ende" oder "Schweinsteiger, bist Du nervös?", hieß es etwa vom Trainer der argentinischen Auswahl. Die deutsche Boulevard-Presse griff dies dankend auf, titelte entsprechend und baute schon vor dem Spiel eine Atmosphäre auf, die dem "Klassiker" Deutschland - Argentinien gerecht werden sollte. Als der stereotypische "Machismo" der Lateinamerikaner wurden diese Gebärden abgetan, aber dazu später mehr. Wir behalten uns das im Kopf, neben der Anekdote aus dem vergangenen März: Maradona weigerte sich nach dem Testspiel in München (0:1), an der Pressekonferenz teilzunehmen, da neben ihm ein gewisser Thomas Müller, damals Länderspieldebütant, sitzen sollte. Maradona empfand dies, ähnlich einer Primadonna, unter seiner Würde. Er hielt Müller für einen Balljungen.

Nun vergehen also keine drei Minuten und dieser Balljunge, heute wieder im Deutschland-Trikot, köpft einen Freistoß auf das argentinische Tor, Torwart Romero greift vorbei und es steht 1:0. Irgendwas läuft falsch in Maradonas Welt. Und auch irgendwie in meiner. Ich sitze auf einem Stuhl vor einer Kneipe zusammen mit einigen Bekannten und kann es nicht glauben. Deutschland führt gegen die "Albiceleste", gegen das Star-Ensemble um den "neuen Maradona" Messi. Eine Standard-Situation und Argentinien ist erst einmal entzaubert. Zum ersten Mal im Rückstand, etwas, mit dem Argentinien bei dieser WM noch nicht konfrontiert war.

Und mit dieser Situation kommt Argentinien schlecht klar. In der Folge versuchen es die "Albiceleste" immer wieder über Messi, doch stets stürzen sich zwei bis drei Gegenspieler auf den Weltfussballer, der notgedrungen den Ball verliert. Seine Kollegen finden ebenfalls keine geeigneten Mittel, meist bleibt es bei halbherzigen Versuchen aus der zweiten Reihe. Auf den Flügeln sind es immer wieder Lahm und vor allem Boateng, die den Argentinien fair die Bälle ablaufen.

In der zweiten Halbzeit stieg die Nervosität. Um mich herum noch überall feierlaunige Schwarz-Rot-Gold-Träger, allein mein Sitznachbar meint: "Das nägschde Tor is für Argentinien." Ähnliches dachte ich mir auch. Fehlpässe der Elf in schwarz und immer wieder Chancen, wenn auch nicht zwingende, für die Argentinier. Dann in der 67. Minute: Müller fällt zu Boden, bekommt den Ball noch zu Podolski, der legt quer auf Klose - 2:0. Jubel, Extase und kein Gedanke mehr den teuren Getränkepreisen: Deutschland ist mit einem Bein im Halbfinale! Und die Argentinier sind nicht einmal motiviert genug, um eine Abseitsstellung von Klose zu reklamieren.

Wenige Minuten später erhöhte Deutschland auf das schier unglaubliche Ergebnis von 3:0, Arne Friedrich der Torschütze, und immer öfter folgten die Einblendungen der argentinischen Auswechselbank, vor der Maradona steht. Und weint. Ein Bild, das man sicherlich noch länger in Erinnerung behalten wird, dazu später mehr. In der 89. Minute stand es gar auf einmal 4:0, als Miroslav Klose in bester Torjäger-Art eine butterweiche Flanke von Özil per Direktabnahme einnetzte. Mittlerweile war es die deutsche Elf, die fast südamerikanisch zauberte.

Zum Abpfiff standen wir, jubelten, feierten, konnten kaum glauben, dass dieses Ergebnis, das da im Fernsehen stand, Realität ist. Wer hätte vor der WM erwartet, dass eine deutsche Mannschaft ersatzgeschwächt, geplagt von Debatten über das "Leischdungsprinzip" und nicht-Nominierte Torjäger, es schafft, das ramponierte Image des deutschen Zerstörerfußballs in der Welt aufzubessern? Ich bin ehrlich, ich hätte es nicht. Dass selbst die englische Boulevard-Presse Lob für die deutsche Mannschaft übrig hat, zeigt, dass unabhängig davon, wie Deutschland bei der WM noch abschneiden wird, in Zukunft vor allem eines der Fall sein wird: Der Respekt vor der deutschen Elf wird nicht mehr überwiegend auf den Namen als "Fußball-Großnation" gründen, sondern auf der anhaltend guten Jugendarbeit, die nun ihre Früchte trägt.

Noch ein Blick zu den Argentiniern und deren Trainer Maradona: Er mag zwar zu den besten Fußballern aller Zeiten gehören, aber als Trainer ist er vorerst gescheitert. Schon in den Gruppenspielen gegen vermeintlich schwächere Gegner entfaltete sich nie das Potenzial der stark besetzten "Albiceleste". Das verwundert nicht: Maradona ist mit über 100 eingesetzten Spielern seit Amtsantritt (Oktober 2008) bereits in die Geschichtsbücher eingegangen. Seine Arbeit zeugt nicht von viel Kontinuität, anders als bei Jogi Löw, dem dieses Festhalten an Spielern oft negativ ausgelegt wurde. Maradona hat es hingegen damit übertrieben und ist mit Deutschland an seine Grenzen gestoßen. Vor diesen Hintergrund bleibt die Frage offen, ob die "Psychotricks" nicht vielleicht Angst und Nervosität des großen Maradona waren. Des großen Maradona, dem die Fußstapfen von César Luis Menotti für immer zu groß sein würden. Eine "Primadona", deren glorreiche Tage der Vergangenheit angehören.

Der "Balljunge", der letztlich Maradona entzauberte, wird aufgrund einer Gelbsperre gegen Spanien leider fehlen. Hoffentlich begegnet man dieser Tatsache nicht mit zuviel Angst und Nervosität.