Mittwoch, 29. September 2010

Vorbericht: Gegen LR oder Rot-Weiss?


Aus Ahlen (nicht aus Aalen!) kommt der kommende Gegner der Luginger-Elf. Rot-Weiss Ahlen musste zuletzt im Ludwigspark antreten, als es noch ein ganz anderer Verein war: Leichtathletik Rasensport Ahlen e.V. - kurt LR Ahlen. Dieser Verein, der damals von Helmut Spikker und seiner Firma kräftigst unterstützt wurde, war so etwas wie ein Vorläufer von Rasenballsport Leipzig. Deswegen tragen/trugen auch beide Vereine in etwa gleich dämliche Namen.

In der 2. Liga

LR Ahlen stand dabei nicht etwa für Fußballhochgenuss, so wie es etwa Hoffenheim oder Leipzig von sich behaupten, sondern eher für die tristeren Seiten, der sonst recht ansehnlichen 2. Liga: Sieben Trainer in vier Jahren, ständiger Abstiegskampf, wenig Fans und Altstars wie Vladimir Jugovic, die in Ahlen noch einen guten Karriereausklang zu günstigen Konditionen sahen. Für Aufsehen sorgte allenfalls die große Aufholjagd in der Saison 2004/2005, als am letzten Spieltag bei 1860 München mit 4:3 gewonnen wurde und Ahlen dem sicher geglaubten Abstieg entkam - es erwischte Eintracht Trier.
Zum letzten Mal spielte Ahlen in der Rückrunde der Saison 2005/2006 im Saarbrücker Ludwigspark. Der FCS gewann unter Rudi Bommer durch einen Fernschuss von Aimen Demai nach wenig spannenden 90 Minuten mit 1:0 - Ende der Saison stiegen beide Teams ab.

Neuanfang ohne LR

Als sich dann der Mäzen Spikker aus dem Verein zurückzog, musste der Neuanfang her. Mit etwas einfallslosem Namen und noch einfallsloserem Wappen, das etwas an die Standardwappen in Fußball-Manager-Spielen erinnert, wurde Ahlen von Fußballdeutschland totgesagt und belächelt. Dennoch gelang es dem Verein, trotz finanzieller Schwierigkeiten, zur Saison 2007/2007 wieder in die 2. Liga aufzusteigen. Nach zwei Jahren im Unterhaus des deutschen Fußballs folgte der erneute Abstieg, in der Zwischenzeit hatte Ahlen als Talentschmiede auf sich aufmerksam gemacht: Kevin Großkreutz (Borussia Dortmund) und Marco Reus (Borussia Mönchengladbach) wechselten beide von Ahlen in die Bundesliga.

Holpriger Start in Liga 3

Nun kommt eine Elf in den Ludwigspark, die wie so viele Absteiger aus höheren Ligen, den Start eine Liga tiefer vermasselten. Mit acht Punkten aus zehn Spielen stehen Arie van Lents Ahlener auf Platz 17. Das ist nach dem personellen Aderlass des Abstiegs auch verständlich, selbst wenn der Verler Christian Knappmann und der letztjährige Essener Torwart André Maczkowiak verpflichtet werden konnten.

Gegen Ahlen sollte der FCS sich nicht vom aus der Hand gegebenen Spiel in Regensburg beeindrucken lassen und die Krise der Gäste ausnutzen. Egal ob der Verein jetzt Rot-Weiss, Rot-Weiß oder Leichtathletik Rasensport heißt.

Sonntag, 26. September 2010

Marina und der scheinbar nahe Sieg - Spielbericht


Im Jahnstadion ticken die Uhren anders. Im Gästeblock hängen alte Zigarettenautomaten, dahinter stehen kästenweise unerreichbares Bier. Ein Sinnbild für das Unerreichbare, das zum Greifen nahe liegt? Vielleicht, denn der FCS ist am scheinbar nahen Sieg in Bayern vorberigeschrammt - und das letztlich doch verdient.

Erste Halbzeit:

Mit Marcus Mann und Martin Forkel, aber ohne den gesperrten Velimir Grgic begann der FCS in der bekannten Formation das Spiel, den Part im Sturmzentrum übernahm Markus Fuchs. Die Molschder setzten den Gastgeber früh unter Druck. Nach sechs Minuten stand es dann bereits 1:0 für die Gäste: Ein Billard-Tor von Nico Zimmermann, nachdem Ufuk Özbeks Schuss abgeblockt wurde und der Nachschuss abgefälscht in den Maschen landete. In der Folge erhöhte Jahn Regensburg die eigenen Bemühungen und bewegte sich fast nur noch in der gegnerischen Hälfte. Meist gelang es der FCS-Defensive, allen voran Stephan Sieger, die Angriffe bereits vor dem Abschluss zu stoppen. "Nationalelf-Schweinis" Bruder Tobias Schweinsteiger fiel in dieser Phase eher durch unschöne Provokationen gegen Marc Lerandy, denn große fußballerische Leistungen, auf. Ein deutliches Zeichen dafür, wo das Talent in der Familie gelandet ist.

Die Blau-Schwarzen reagierten in dieser Druckphase der Hausherren wie eine Topmannschaft der Liga - mit einem schön herausgespielten Treffer. Nach einer Özbek-Hereingabe auf Manuel Stiefler legte dieser quer auf Markus Fuchs, der auf 2:0 erhöhte. Kurz danach hätte der FCS sogar noch ein Tor erzielen können, jedoch verpasste Ufuk Özbek bei einer 2:1-Kontersituation die Chance, den Ball auf den freien Fuchs zu passen und verlor das Leder nach einem überflüssigen Alleingang. Es blieb beim 2:0 zur Pause.

Zweite Halbzeit:

Auch nach dem Seitenwechsel hatte der FCS zunächst die Chance den Vorsprung auszubauen. Markus Fuchs wurde von seinen Kollegen wunderbar vor SSV-Torwart Michael Hofmann freigespielt, dieser wehrte den Schuss allerdings gut per Fuß ab. Nach dieser Aktion kippte das Spiel jedoch und der FCS ließ sich, ähnlich der langen SSV-Druckphase in der ersten Halbzeit, weit in die eigene Hälfte zurückdrängen. Regensburg hatte nun mehr Spielanteile und auch die besseren Chancen. Der Anschlusstreffer für Regensburg fiel nach 64 Minuten, als Enver Marina eine schlechte Flanke, die mehr zum Schuss wurde, zu kurz abwehrte und Tobias Schweinsteiger den Ball nur noch über die Linie drücken musste.
Der FCS konnte nur noch wenige Entlastungsangriffe fahren und kam meist über Freistöße zu Chancen. Die Kräfte schwanden spürbar, sodass Ufuk Özbek für den Rückkehrer Nico Weißmann Platz machen musste. Dieser brachte kurzzeitig mehr Schwung ins Spiel, es blieb aber bei Regensburger Chancen im Minutentakt. Im Sturm kam Giuseppe Pisano für Toschützte Fuchs und sorgte für wenig frische Akzente.
Nach mehreren guten Paraden von Enver Marina wurde dieser allerdings in der 84. Minute zur tragischen Figur. Nach einer harmlosen Aktion im Mittelfeld pfiff der eher kleinlich agierende Schiedsrichter Glasmacher einen Freistoß für Regensburg. Die hoch getretene Flanke resultierte in einem eigentlich ungefährlichen Kopfball, der zu einem Eckball geführt hätte. Enver Marina wollte die Ecke verhindern, stürmte aus dem Tor und ließ das nasse Leder durch die Handschuhe gleiten: Marco Haller sagte danke und glich zum 2:2 aus.
Das war allerdings nicht der Schlusspunkt. In der letzten Minute hatte Nico Zimmermann die letzte Chance des Spiels und setzte einen Freistoß aus 20 Metern Entfernung knapp an den Querbalken von Michael Hofmanns Gehäuse.

Fazit:

Trotz zweier unglücklicher Gegentore, die in einem Fall mehr, im anderen Falle weniger FCS-Torhüter Enver Marina anzulasten sind, so resultiert die aus Saarbrücker Sicht schmerzliche Punkteteilung schlicht daraus, dass man in Halbzeit zwei die eigenen Bemühungen zu stark zurückgefahren hat. Zudem wirkte die Luginger-Elf in der Schlussphase zu kraftlos für eine wirksame Gegenwehr. Dass die Führung über eine lange Distanz hielt und mit dem Zimmermann-Großchance kurz vor Schluss sogar doch noch ein Sieg drin gewesen wäre, sollte nicht darüber hinwegtäuschen dass ein Remis aufgrund der Gesamtleistung vollkommen in Ordnung geht. Und einen Punkt beim Favoriten geholt zu haben, ist sicher keine Schande.

Freitag, 24. September 2010

Reisehinweise für Regensburg

(Foto: Avarim Lizenz: CC-by-sa 3.0/de)
Den FCS-Fans, die morgen die Reise nach Regensburg antreten, möchten wir folgende Leuchtturm-Insider-Tipps ans Herz legen, mit denen der Aufenthalt unbeschwert und vergnüglich wird!

1. Oberpfalz
Lassen Sie sich nicht vom Begriff "Oberpfalz" abschrecken. Regensburg liegt zwar dort, aber das hat rein gar nichts mit Kaiserslautern oder Pirmasens zu tun.

2. Obst

Bitte nehmen Sie keine Äpfel oder Bananen mit ins Jahnstadion zu Regensburg! Die Einheimischen könnten dies als schwerste Beleidigung ihrer traditionellen Sitten und Gebräuche auffassen. Jahrzentelang gab es diese Obstsorten nicht in Regensburg, weshalb sie dort noch heute als verpöhnt gelten.

3. Leichtes Gepäck

Sofern Sie nur einen Tag in Regensburg bleiben und sich dazu entschließen, den Gästeblock des Jahnstadions zu besuchen, so empfiehlt es sich, mit leichtem Gepäck zu reisen. Das Mitbringen von Rucksäcken, Kisten Koffern und Kinderwägen ist dort aufgrund des jahrelangen Massentourismus mittlerweile verboten.

Die Leuchtturm-Reise-Redaktion wünscht gute Fahrt!

Donnerstag, 16. September 2010

September-Umfrage: Die Vereinssatzung

Die August-Umfrage im vergangenen Monat kürte "Wir kommen wieder" von Leergut zum besten FCS-Song und hatte dabei einen rekordverdächtigen Wert von über 400 Teilnehmern. Ob es dieses Mal eine ähnlich hohe Beteiligung gibt? Das Thema ist jedenfalls etwas ernster.

Für viel Zündstoff sorgten Mitgliederversammlungen (MV) des FCS in den vergangenen Jahren allenfalls im Vorfeld dadurch, dass sie nicht immer gemäß der eigenen Vereinssatzung stattfanden. Kamen die Vereinsmitglieder dann zusammen, war meist Harmonie angesagt. Schließlich hatte sich die erste Herrenmannschaft sportlich seit Beginn der Saison 2008/2009 nichts mehr zu Schulden kommen gelassen. Nach der MV verblieben höchstens Worte wie der "Leuchtturm des Saarfußballs" und Allgemeinplätze im Langzeitgedächtnis.

Dass eine MV jedoch wichtige Fragen der Vereinspolitik klären soll, wird oftmals vergessen. Vor allem dann, wenn die MV selbst vom Verein vergessen wird. Nach Druck seitens der Fans soll nun am 21. Oktober wieder eine Zusammenkunft stattfinden - die aufgrund zweier Aufstiege, Spekulationen über Präsidiums-Neuwahlen und anderer Dinge im Fokus steht. Für Aufstehen sorgten auch die Boys Saarbrücken, die schon lange nicht nur für Choreographien und Fangesänge im Stadion, sondern auch für Beiträge zur Vereinspolitik bekannt sind. Von den Boys stammen folgende Anträge zur Satzungsänderung beim FCS:

  • Schutz des Namen "Ludwigsparkstadion": Das Stadion des 1. FC Saarbrücken heisst Ludwigsparkstadion. Sollte eine andere Insitution als der Verein (Stadt, Investor, Betreibergesellschaft,...) Eigentümer des Stadions sein und einen anderen Namen vorsehen, so bezeichnet der Verein das Stadion weiterhin als Ludwigsparkstadion. (Aufnahme in die Satzung)
  • Schutz des Wappens: Das Wappen des 1. FC Saarbrücken ist das aktuelle Wappen und auch auf der Vorderseite der Satzung abgedruckt. Es trägt die Farben und darf nicht verändert werden. (Aufnahme in die Satzung)
  • Änderung des § 15, Abs. 4 in folgenden Wortlaut: "Die einzelnen Präsidiumsmitglieder werden von der Mitgliederversammlung gewählt." Somit würde das Präsidium nicht mehr durch den Aufsichtsrat bestellt, sondern von den Mitgliedern die einzelnen Präsidiumsmitglieder gewählt. (Satzungsänderung)
  • Änderung des § 19, Abs 1 in folgenden Wortlaut: "Der Aufsichtsrat besteht aus fünf oder sieben Mitgliedern. Die Zugehörigkeit zu Präsidium/Vorstand und Aufsichtsrat schließen sich gegenseitig aus. Die Aufsichtsratsmitglieder werden auf Vorschlag des Ehrenrates, der diesen bis spätestens zwei Wochen vor der Mitgliederversammlung schriftlich auf der Geschäftsstelle einzureichen hat, von der Mitgliederversammlung einzeln gewählt." Hier wurde das Wörtchen "einzeln" dazugefügt. (Satzungsänderung)
  • Streichung des § 23: "Das Präsidium wird ermächtigt, die Lizenzspielerabteilung aus dem Verein auszugliedern und in die Rechtsform einer Kapitalgesellschaft zu überführen." (Satzungsänderung)

Diese Änderungsvorschläge diskutieren Fachleute wie Laien seit Tagen. Eine einheitliche Lehrmeinung herrschft dabei noch nicht vor: Gegner der Anträge sind der Meinung, dass bei Umsetzung der Vorschläge, die vor allem die Wahl des Präsidiums betreffen, der DFB dem Verein die Lizenz verweigern könnte. Befürworter verweisen darauf, dass der DFB nur Mitte der 90er eine Mustersatzung an die Vereine weitergegeben hat, deren Umsetzung keine ausdrückliche Voraussetzung bei der Erteilung von Lizenzen sei.

Wir fragen nun unsere Leser:

Welchen Antrag zur Satzungsänderung würden Sie unterstützen?

Möglich ist dabei sowohl die Auswahl mehrerer Anträge (dazu einfach im Kasten die Häkchen setzen und erst danach auf "Absenden" klicken) oder aber die Option "Keinen".

Die Umfrage endet am 19. Oktober 2010!

Samstag, 11. September 2010

FCS bekommt drei Punkte und Mitgliederversammlung!

Mit 3:1 hat der FCS gegen die Bundesligisten-Recycler des SV Sandhausen gewonnen. Damit bleibt der FCS in der Tabelle weiterhin auf dem prestigeträchtigen, neunten Tabellenplatz mit vier Punkten vor der Abstiegszone.

Ebenfalls eine Meldung wert ist die Unterschriftenaktion der Boys-SB, bei der mehr als die geforderten 200 Unterschriften zum Erreichen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zusammen kamen. Ob es an der Berichterstattung in der Presse oder an dieser Aktion liegt, dass FCS-Präsident Hinschberger nun die längst überfällige Mitgliederversammlung für den 21. Oktober angekündigt hat, müssen wir nicht weiter kommentieren.

Wir bleiben am Ball!

Donnerstag, 9. September 2010

Das Beste für die Jugend? – Zweiter Kommentar zur Ligareform


Von Carsten Pilger

Der erste Kommentar in diesem Blog hat sich erstaunlich schnell und weit verbreitet. Er sorgte für Zustimmung, Ablehnung und vor allem für Diskussionen. Ein Argument, was immer wieder unabhängig voneinander, gegen meine Forderung nach einer eigenen Reserverunde der Profivereine genannt wurde, betrifft die Ausbildung junger Talente. Als These formuliert:

In der Konkurrenz mit erfahrenen Fußball-Profis aus Amateurvereinen in einer Liga mit Auf- und Abstieg, werden junge Spieler besser an den Profialltag der Bundesligen herangeführt, als es in einer ausschließlichen Runde der Zweiten Mannschaften der Fall wäre.

Da mir dieses Gegenargument sehr ins Auge gefallen ist, will ich dieser These einen eigenen Text widmen. Was davon stimmt? Gibt es Alternativen?

Regionalliga als Testgelände der Jugend

Zunächst erscheint es schlüssig, dass die Profivereine wollen, dass ihre Jungtalente nicht nur in den Vergleich mit anderen Reserveteams ziehen, sondern auch unter Wettkampfbedingungen spielen. Heribert Bruchhagen verknüpfte diesen Anspruch der Profiteams gleich mit den finanziellen Voraussetzungen, sprich: Wenn ich schon mehrere Millionen pro Jahr alleine für ein Jugendleistungszentrum ausgebe, dann darf ich doch auch meine U23 in der 3. Liga oder Regionalliga sehen. Dass dieses Argument weniger auf Fakten, denn auf einem gefühlen Anspruch beruht, ergibt sich von selbst.

Warum ist die Regionalliga für Profivereine ein attraktives Testgelände? Genannt werden immer die Bedingungen, die sich erheblich von einer geschlossenen Reserverunde unterscheiden: Es gibt Auf- und Abstieg, die Amateurvereine verfügen meist über erfahrenere Kicker, volle Stadien und stehen mitten im Wettkampf. Diese Bedingungen sind zwar sportlich weit vom Level der Bundesliga entfernt, kommen aber der Sache näher als eine Liga mit 18 Reservemannschaften.

Eine verkappte Reserverunde droht

Die Widersprüche entstehen allerdings in der Realität: Von den 54 Plätzen der drei Regionalligen gehören bereits 25 den Bundesliga-Vereinen. Also reduziert sich die Anzahl der Spiele unter diesen oben genannten Bedingungen schon fast um die Hälfte, die restlichen Begegnungen machen die Zweiten Mannschaften unter sich aus. An dieser Stelle möchte ich nun ein Gedankenexperiment einbringen:

In den Profiligen Spielen 36 Vereine, in der 3. Liga 16 Mannschaften (abzüglich vier Reserveteams von Bundesligisten). Lässt man die geographische Aufteilung der Regionalligen in Nord, West und Süd außer Acht und geht davon aus, dass es möglich ist, dass innerhalb der nächsten vier bis fünf Jahre in jeder Saison keine Zweite Mannschaft ab- oder aufsteigt, so könnten irgendwann bis zu 48 Mannschaften in der Regionalliga aus Bundesligareserven bestehen. Faktisch hätte man dann eine Reserve-Liga eingeführt - zu Lasten der Amateurvereine und der Jugendförderung.

Diese Gedankenspielerei ist natürlich überspitzt und unrealistisch in der Anzahl. 30 zweite Mannschaften in den Regionalligen sind jedoch denkbar, was schon eine erhebliche Einschränkung dieses angeblich fördernden Wettkampf-Gedankens wäre. Doch wie könnte man talentierte Jugendspieler sonst fördern?

Jugendspieler in die erste Mannschaft!

In der UEFA Champions League existiert seit einiger Zeit die Regelung der "Home-Grown-Spieler", also Akteure, die eine gewisse Anzahl von Jahren im eigenen Verein ausgebildet wurden. Eine feststehende Zahl dieser Spieler muss bei Saisonbeginn im gemeldeten Kader der Vereine vorhanden sein. Egal ist dabei die Nationalität, Owen Hargreaves war seinerzeit beim FC Bayern ebenso "home grown", wie es ein Thomas Müller oder Holger Badstuber heute sind. Eine durchaus vernünftige und plausible Regelung, die den Entwicklungen der Bosman-Ära versucht entgegenzuwirken.

Warum existiert in der Bundesliga nichts vergleichbares? Die Bundesligavereine könnten sich selbst dazu verpflichten, bei jedem Spiel mindestens drei Spieler von Beginn an einzusetzen, die mehr als vier Jahre in eigenen Jugendmannschaften spielten und unter 23 Jahre alt sind. Natürlich hat dieses Modell Schwächen: Die Vereine werden lamentieren, dass sie "gezwungen" werden, auf die Jugend zu setzen, es wird der Ruf nach Wettbewerbsverzerrung laut, die Aktivitäten auf dem Transfermarkt werden insofern gestört, dass zwei Plätze in der Startelf weniger für teure Neuzugänge zur Verfügung stehen.

Wachsende Bedeutung einer richtigen Reserverunde

Dennoch spricht vieles dafür: In Zeiten moderner Scouting-Systeme und Jugendleistungszentren würde eine solche Regelung kaum einen Qualitätsverlust für die Bundesliga darstellen. Auch würde der Sinn von zweiten Mannschaften damit keineswegs infrage gestellt: Bei der Aufsicht auf zwei Startplätze in der ersten Mannschaft, die fest an Jugendspieler vergeben sind, steigt auch für Spieler der zweiten Mannschaft der Ansporn, sich für einen Einsatz in der ersten Liga zu empfehlen.
Dies würde zudem eine eigene Reserve-Runde aufwerten: Statt einer halbgaren Lösung wie derzeit, in der junge Spieler sogar ihren Platz in der U23 verlieren können, wenn ein "von oben" ausgemusterter Profi zur Mannschaft stoßt, gäbe es nun echte Konkurrenz und Wettbewerb - nicht um Auf- oder Abstieg, sondern um die Chance auf einen Einsatz in der Bundesliga. Auch dürfte die Nationalmannschaft nicht unglücklich über eine solche Regeländerung sein.

Die Diskussionen um die Regionalliga-Reform werden nicht abreißen, die Profiklubs weiter auf ihre Meinung beharren, die Amateurvereine auf die Reform hoffen. Dass der derzeitige Kompromiss, der vor allem den Profis zugute kommt, nicht unbedingt eine echte Forderung und Förderung junger Talente darstellt, wird leider vergessen.

Mittwoch, 8. September 2010

Vorbericht: Der Fast-Bundesligist


Der kommende Gegner im Saarbrücker Ludwigspark ist für die FCS-Historiker ein noch unbeschriebenes Blatt: Der SV 1916 Sandhausen aus Baden-Württemberg. Auf den ersten Blick ist der SVS eine der uninteressanteren Mannschaften der 3. Liga, obwohl im Vereinsnamen das "U23" oder die "II" fehlen. Beim zweiten Hinsehen ist es eine Mannschaft, die zumindest auf sportlicher Ebene einige Parallelen zum FCS der Regionalliga-Jahre aufweist. Und darüber hinaus mal fast Bundesligist geworden wäre.

Mit Hopp fast in die Bundesliga

Sandhausen liegt im Rhein-Neckar-Kreis ungefähr acht Kilometer südlich der Universitätsstadt Heidelberg. Und Heidelberg könnte, so schreibt es die Geschichte, neben einer weltbekannten Universität heute auch einen europaweit bekannten Bundesligisten behergen, wären da nicht der FC-Astoria Walldorf und der SV Sandhausen gewesen. Ein gewisser Dietmar Hopp fand im Jahre 2005 noch seinen eigenen Verein, die TSG Hoffenheim, augenscheinlich zu schwach, um den Bundesliga in die Provinz zu bringen und wollte Walldorf und Sandhauen dazu überreden, mit Hoffenheim zum FC Heidelberg 06 zu fusionieren.

Das wäre sicherlich für eine Menge ausländischer Touristen und Elite-Studenten eine ganz nette Idee gewesen. Doch Sandhausen und Walldorf pochten auf "Tradition", was dem kleinen Dietmar nicht gefiel, weshalb er "seine" TSG erst einmal aus marketingtechnischen Gründen in 1899 Hoffenheim umbenennen musste, bevor er zum Angriff auf den Profifußball blies. Der Name "FC Heidelberg 06" eignet sich dagegen nur noch als nette Anekdote an Stammtischen und dürfte auch erklären, warum bei den "friedlichsten Fans der Bundesliga" (sinngemäßes Zitat aus der ARD-Sportschau und diversen Publikationen) ab und zu ein Anti-Sandhausen-Doppelhalter im Fanblock auftaucht. Traditionsvereine brauchen einen Erzrivalen.

Mit Altstars in die 2. Liga

So spielt der SV Sandhauen heute in der 3. Liga, nachdem er lange 28 Jahre in Oberliga Baden-Württemberg und einige wenige in der Regionalliga Süd verbracht hat. Sportlich nähert sich der SVS den Hoffenheimer Plänen immer weiter an und peilt auch in dieser Saison den Aufstieg in die 2. Bundesliga an. Das Aufgebot erinnert dabei in leicht unangenehmer Weise an das, was der FCS vor einigen Jahren meist versucht hat: Sportlichen Erfolg mithilfe ehemaliger Erst- und Zweitligaspieler. Alleine die Tatsache, dass neun Sandhauser mindestens einmal in ihrer Karriere Bundesligaluft schnupperten, ist recht beachtlich. Dass sich diese Spieler dann in zwei Gruppen aufteilen, ist vorprogrammiert: Ehemalige Jungtalente, die nicht mehr als fünfmal in der Bundesliga spielten, und Altstars, die sich im Spätherbst ihrer Karriere befinden. Zum Vergleich: Im aktuellen Kader des FCS befindet sich kein Spieler, der einem Bundesligaspiel bislang in einer anderen Funktion als Zuschauer, Fan oder Bankhocker beigewohnt hat.

Das alles macht Sandhausen zu einem schwer einschätzbaren Gegner für den FCS. Nach einem eher durchwachsenen Saisonbeginn hat Sandhausen im Heimspiel gegen Dynamo Dresden stark aufgespielt und mit 4:1 gewonnen und bewiesen, dass Ambitionen auf den Aufstieg durchaus vorhanden sind. Aber gerade in Saarbrücken weiß man aus der Vergangenheit, dass sich das Verpflichten ausgedienter Bundesligaspieler schnell rächen kann, wenn der Gegner eine Aufsteigermannschaft ist. Am Samstag ist der FCS in dieser Außenseiterrolle - hoffenlich weiß er das zu nutzen.

Freitag, 3. September 2010

Selbstbetrug der Profis - Kommentar zur Ligareform

von Carsten Pilger

Jeder kennt die Sorte Menschen, die zum notorischen Lügen neigen. Mit jeder Wiederholung ihrer Lügen verdrängen sie die Tatsache, dass sie Unwahres verbreiten, und schenken ihren Worten immer mehr glauben. Zu dieser Spezies gehören auch die Vertreter der 36 Profivereine der 1. und 2. Bundesliga. Denn die ihre Begründung, warum die Regionalliga nicht reformiert werden sollte, ist bei Betrachtung der Fakten unhaltbar.

Das Nachwuchs-Argument


Das stärkste Argument, das die Profivereine anführen, ist die Nachwuchsarbeit. "Wir geben doch nicht Millionen für die Leistungszentren aus, um hinterher in irgendeiner witzlosen Reserverunde herumzuturnen", sagte Heribert Bruchhagen von Eintracht Frankfurt. Übersetzt heißt das: Wir geben Geld aus, also lasst uns gefälligst auch da spielen, wo wir wollen. Das Argument hinkt. Jugendleistungszentren haben den Sinn, junge Spieler auszubilden und auf einem hohen Niveau, was Training und Betreuung angeht, auf den späteren Profialltag vorzubereiten. Ob die Jugendspieler nun ihre Wettbewerbfähigkeit in der 3. Liga und Regionalliga testen oder in eigenen Runden antreten sollen, geht daraus nicht hervor.

Auf- und Abstieg lauten die Zauberworte. Wenn Amateurmannschaften um Klassenverbleib oder Meisterschaft spielen dürfen, so der Kern des Arguments, verbessern sich automatisch die Leistungen der Spieler und die Ausbildung gewinnt an Qualität. Dennoch bleibt die Frage: Was ist die zwingende Begründung, dass dies in 3. Liga und Regionalliga erfolgen muss? Wäre es bei 36 Profivereinen in Deutschland, die allesamt über qualitativ hochwertige Jugendleistungszentren verfügen, nicht ein einfaches, eine eigene Ligen mit Auf- und Abstieg im Bereich der U23-Altersklassen aufzustellen? Vielleicht würde dies sogar letztlich zu einer Verbesserung der Ausbildung führen?

Die Zuschauer-Lüge

"Das Argument der Amateure, dass sie Zuschauereinbußen hätten, stimmt nicht. Und den Wettbewerb verfälschen wir auch nicht, weil niemand Lizenzspieler delegiert, um die zweite Mannschaft zu stärken", sagt Bruchhagen weiter. Tatsächlich stimmt nicht, was Bruchhagen behauptet. Liest man sich die Zuschauerstatistiken der Regionalliga West für die vergangene Saison durch, so landen mit Ausnahme des FC Schalke 04 II (1.330 Zuschauer im Schnitt) alle Bundesligareserven in der unteren Tabellenhälfte. Der Beste von ihnen, Mainz 05 II, hatte nicht einmal 600 Zuschauer im Durchschnitt. Den Zuschauerschnitt von Waldhof Mannheim (3.502), Saarbrücken (4.796) und Rot-Weiß Essen (5.955) erreicht keine Zweite Mannschaft auch nur annähernd. Saarbrücken stieg zum Saisonende auf, Mannheim und Essen erhielten keine Lizenz für die Regionalliga.

Die Zuschauerzahlen der Bundesligareserven zeigen deutlich, dass sie unter dem normalen Regionalliga-Niveau liegen. Man muss kein großer Rechner sein, um zu erkennen, dass Bruchhagens Aussage unsinnig ist. Wäre die Regionalliga ausschließlich mit Amateurteams besetzt, würden auch die Zuschauerzahlen, und damit die Einnahmen, steigen.

Versetzung aus sportlichen Gründen?

Auch der zweite Teil von Bruchhagens Behauptung, es läge keine Wettbewerbsverzerrung seitens der Bundesliga-Teams vor, lässt sich bei Betrachtung der Tatsachen, kaum halten. Es existiert kein ausschließliches Verbot für Lizenzspieler innerhalb von Bundesligareserven. Insofern halten sich alle 36 Profivereine an die Regeln. Allerdings liest sich die Liste der Spieler, die in der Saison 2009/10 innerhalb der Zweiten Mannschaft ihres Vereins zum Einsatz kamen, zum Teil sehr beachtlich:

Bayer Leverkusen: Stefan Reinartz, Hans Sarpei, Daniel Schwaab, Lukas Sinkiewicz, Tomasz Zdebel, Lars Bender
FC Schalke 04: Joel Matip, Christian Pander, Albert Streit
VfL Wolfsburg: Jan Simunek, Vlad Munteanu
Hamburger SV: Marcell Jansen
Hannover 96: Florian Fromlowitz, Sofian Chahed, Jan Rosenthal, Mikael Forssell, Valdet Rama, Jan Schlaudraff
Eintracht Frankfurt: Ralf Fährmann, Patrick Ochs, Zlatan Bajramovic, Ümit Korkmaz, Christoph Preuß, Markus Steinhöfer

Das ist nur eine Aufstellung ohne Anspruch auf Vollständigkeit. In den drei Regionalligen stiegen 2009/10 nur zwei Bundesligareserven ab: Hansa Rostock und der FC St. Pauli. Nur St. Pauli erlebte einen sportlichen Abstieg, Rostock zog seine Mannschaft zurück. Fest steht: Das Urteil, dass Profivereine ihre Lizenzspieler zur Unterstützung in die Zweite Mannschaft delegieren, ist zu pauschal und ungerecht gegenüber Mannschaft, bei denen das Kürzel "U23" im weitesten Sinne auch zutrifft. Die Behauptung des Gegenteils, wie Bruchhagen sie aufstellt, ist allerdings unhaltbar. Er hätte sich mal besser den Kader seiner U23-Eintracht letztes Jahr angesehen.

An den Unwahrheiten packen

Was bleibt? Vor dem DFB-Bundestag in Essen scheint die Regionalliga-Reform zwar noch nicht gescheitert, allerdings versetzt ihr das Veto der Profivereine einen erheblichen Dämpfer. Man kann nur darauf hoffen, dass die Amateurvereine nun ihrerseits die Vorlage der Profivereine innerhalb der Debatte ergreifen - und sie anhand ihrer eigenen, faulen Ausreden überführen.

(Daten: weltfussball.de, fussballdaten.de)

Linktipp: Pro Regionalliga-Reform 2012

Thema "Regionalliga-Reform" im Leuchtturm: Das Beste für die Jugend? - Zweiter Kommentar zur Ligareform